
(Atz – 19.04.26) Am Freitag fand in den Räumlichkeiten der Dresdner DKMS Life Science Lab gGmbH ein Branchengespräch statt. An der Veranstaltung nahmen Vertreter aus der Biotechnologie, der Forschung, der Verwaltung sowie der Wirtschaftsförderung Sachsen (WFS) unter der Leitung von Wirtschaftsstaatssekretär Sebastian Scheel teil.
Der Sektor der Biotechnologie hat sich in Sachsen zu einem bedeutenden Wirtschaftsfaktor entwickelt. Seit Beginn der Biotechnologie-Offensive im Jahr 2000 wurden in dieser Branche über eine Milliarde Euro investiert. Aktuell sind mehr als 300 Akteure sowie über 15.000 Beschäftigte in den Bereichen Pharma, Medizintechnik und Biotechnologie im Freistaat tätig.
Wirtschaftsstaatssekretär Sebastian Scheel erklärte zum Branchengespräch: »Die Biotechnologie-Offensive bleibt auch künftig ein zentrales Element der Innovationsstrategie des Freistaates. Mit dem Ausbau digitaler Kompetenzen, der Förderung von Unternehmen und der fortgesetzten Vernetzung mit weiteren Technologiebranchen wird Sachsen seinen Erfolg hier weiter ausbauen.«
Regionale Strukturen und Forschung
Die Biotechnologie-Branche in Sachsen ist durch internationale Unternehmen, Start-ups und Forschungsinstitute geprägt, insbesondere in den Bereichen Zell- und Gentherapie sowie Diagnostik. Zu den wichtigen Forschungsstandorten gehören das Zentrum für Regenerative Therapien Dresden (CRTD) und das Fraunhofer-Institut für Zelltherapie und Immunologie (IZI) in Leipzig. Auch die Einbindung von Chemnitz in das biosaxony-Netzwerk stärkt die regionale Basis.
Internationale Relevanz zeigt sich unter anderem durch den Einstieg der Kerry Group beim Leipziger Unternehmen c-LEcta, die US-Finanzierungszusage für Avencell sowie die Kooperation des Dresdner Start-ups Seamless Therapeutics mit dem US-Konzern Eli Lilly. Die Aktivitäten konzentrieren sich zudem auf das Bio-Innovations-Zentrum Dresden und die BIO CITY Leipzig, wobei an beiden Standorten Ausbauprojekte für Unternehmen und Start-aus geplant sind.
Dr. Oliver Uecke, Vorstandsvorsitzender des Branchenverbandes biosaxony e. V., sagte: »Die Biotechnologie und Life Sciences sind heute eine der großen Stärken des Standorts Sachsen. Diese Stärke entsteht aus dem engen Zusammenspiel von Forschung, Entwicklung, klinischer Anwendung, Industrie und Finanzierung. Über biosaxony bringen wir diese Akteure zusammen und treiben deren Vernetzung gezielt voran. Dass die Deutschen Biotechnologietage, das größte deutsche Branchentreffen der Biotechnologie, in der nächsten Woche in Leipzig stattfinden, zeigt, welche Bedeutung und Dynamik die Life Sciences-Branche in Sachsen inzwischen erreicht hat.«
Herausforderungen und wirtschaftliche Entwicklung
Die Branche sieht sich derzeit mit Herausforderungen wie dem Zugang zu Risikokapital, der Beschleunigung von Genehmigungsverfahren und der Integration von Künstlicher Intelligenz in die Produktion und Forschung konfrontiert. Demgegenüber stehen die Chancen durch wachsende globale Märkte und die Bedeutung von Gesundheitsthemen.
Thomas Horn, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung Sachsen (WFS), erläuterte: »Mit der kompletten Wertschöpfungskette am Standort, einer hohen Innovationskraft sowie den Synergien aus der Zusammenarbeit mit anderen Branchen hat die Biotechnologie das Potenzial, sich künftig noch mehr zu einer Schwerpunktbranche für Sachsen zu entwickeln. Dabei kommt vor allem der branchenübergreifenden Zusammenarbeit eine Schlüsselfunktion zu, die wir gezielt unterstützen. Dafür bringen wir in verschiedenen Formaten wie dem jährlich Life Sciences-Forum und verschiedenen Projektwerkstätten z. B. Unternehmen aus der Textilindustrie, dem Maschinenbau, der Ernährungsbranche oder aus der Mikroelektronik mit Biotechnologiefirmen zusammen. Ziel ist es, neue technische Einsatzmöglichkeiten auszuloten und damit neue Geschäftschancen, Kooperationen und Wachstum zu fördern, etwa bei Automatisierungs- und KI-Lösungen für die Produktion in der Zell- und Gentherapie.«
Als Gastgeber des Gesprächs betonte Thomas Schäfer, COO der DKMS Life Science Lab gGmbH: »Als Hochdurchsatzlabor für die Typisierung potenzieller Stammzellspender:innen finden wir in Sachsen hervorragende Voraussetzungen. Die Region bietet exzellente Forschungsstrukturen und hochqualifizierte Fachkräfte. Gleichzeitig profitieren wir von starken Kooperationspartnern wie dem Zukunftscluster SaxoCell und weiteren Akteuren der sächsischen Biotechnologie. Gemeinsam entwickeln wir innovative Methoden, um komplexe wissenschaftliche Fragestellungen zu adressieren, und treiben so diagnostische Verfahren voran, die Blutkrebstherapien und die Versorgung von Patient:innen nachhaltig verbessern. Wir haben uns sehr gefreut, Gastgeber des Branchengesprächs zu sein und den offenen und konstruktiven Austausch mit den vielen engagierten Akteur:innen der sächsischen Life Sciences Community zu erleben.«
Die DKMS – ehemals Deutsche Knochenmarkspenderdatei – wurde 1991 von Dr. Peter Harf und Prof. Dr. Gerhard Ehninger gegründet. Die internationale Organisation hat über 13 Millionen potenzielle Spender registriert und über 130.000 Stammzellspenden vermittelt.
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