
(Atz – 21.04.26) Seit den 1990er Jahren ist die Biotechnologie ein Schwerpunkt der sächsischen Wissenschaftsstrategie. Mit der im Jahr 2000 ins Leben gerufenen Biotechnologie-Offensive wurde die Forschung in diesem Bereich gefördert. Aktuell werden 152 Forschungsvorhaben an Hochschulen, Forschungseinrichtungen und Unternehmen unterstützt, wobei das Fördervolumen knapp 94 Millionen Euro beträgt. Die Projekte bewegen sich an der Schnittstelle von Medizintechnik, Biotechnologie, Ingenieurwissenschaften und klinischer Forschung.
Wissenschaftsminister Sebastian Gemkow erklärte: »Der Bund kann mit dem Anspruch der Hightech Agenda, Biotechnologie als Innovationsmotor zu stärken und Deutschland zu einem Spitzenstandort für Gesundheitsforschung und Lebenswissenschaften zu machen, auf das leistungsfähige sächsische Ökosystem setzen. Unser Anliegen ist, dass bei der Umsetzung der Hightech Agenda die bereits bestehenden und bewährten exzellenten Zentren der Biotechnologie gestärkt werden. Allein seit 2021 haben 60 verschiedene Institute an Hochschulen und Forschungseinrichtungen rund 84 Millionen Euro an Fördermitteln für Biotechnologieprojekte erhalten. Das sächsische Engagement überschreitet dabei Grenzen: Hochschulen, Forschungseinrichtungen und Unternehmen vernetzen sich auch international in Forschung und Innovation, etwa im Rahmen von Europäischen Partnerschaften.«
Netzwerke und Zentren in der Region
Der Branchenverband biosaxony e.V. sowie das Innovationscluster »Smart Medical Devices and Therapies« leisten Beratungs- und Vernetzungsarbeit für die Biotechnologie-, Medizintechnik- und Gesundheitswirtschaft. Im Bereich der Gen- und Zelltherapien fungieren das Zentrum für Regenerative Therapien an der TU Dresden (CRTD) und das Fraunhofer-Institut für Zelltherapie und Immunologie (IZI) in Leipzig als Translationszentren. Das Projekt SaxoCell verbindet die Kompetenzen aus Dresden und Leipzig entlang der Innovationskette von der Grundlagenforschung bis zur klinischen Anwendung, um die Herstellung von Gen- und Zelltherapien zu optimieren. Zudem leisten das MPI CBG in Dresden und das Fh IZI in Leipzig einen Beitrag zur Qualifizierung des Standorts für die Arzneimittelentwicklung.
Spezialisierte Forschungsbereiche
Im Raum Dresden hat sich mit nukliD ein europaweit führend ein Cluster für die Radiopharmazierung etabliert. Beteiligte Akteure sind unter anderem das Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf (HZDR), Kliniken, Start-ups sowie Regulierungsbehörden. Ein Standortvorteil der Region liegt in der Verknüpfung von Medizintechnik mit humanbasierten Zell- und Organoidmodellen durch den Einsatz von Automatisierung, Robotik, Bildgebung, Multi-Omics-Analysen und KI-gestützter Datenintegration.
Universitäre Forschung und Entwicklung
Die Universität Leipzig betreibt Forschung in den Bereichen Biologie, Physik, Chemie und Informatik. Mit dem neuen Institut für Wirkstoffentwicklung werden experimentelle und rechnergestützte Methoden zur Pharmazeutikaentwicklung genutzt. Zudem wird das »European Center for ROSETTA Therapeutic Design« im Rahmen des Programms ROSETTA etabliert. Das Exzellenzcluster LeiCeM an der Universität Leipzig befasst sich mit der Erforschung von Stoffwechselstörungen wie Diabetes mellitus oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen.
An der TU Dresden konzentriert sich die Forschung im Exzellenzcluster PoL auf die Schnittstelle von Biologie und Physik. Der TU Dresden Life Science Campus dient der Vernetzung von Wissenschaft, Medizin und Wirtschaft zur Entwicklung präventiver Therapien. Das CRTD, das als Forschungseinrichtung von der TU Dresden getragen wird, arbeitet mit der ECTU des Uniklinikums Dresden zusammen, um die Anwendung von Zelltherapien am Patienten zu ermöglichen. Die TU Dresden bietet durch ihre Exzellenzcluster, Fakultäten und Studiengänge wie Biomedizinische Technik und Medizininformatik sowie die Zusammenarbeit mit Instituten wie dem HZDR, Max-Planck- und Fraunhofer-Instituten die Grundlage für den Errichtung eines InnovationsCampus (ICMT).
Zukünftige Projekte und Infrastrukturen
Ab 2025 fördert das SMWK das Forschungsnetzwerk KI in der Medizin, dessen Hauptpartner die Universität Leipzig, die Technische Universität Dresden und die Hochschule Mittweida sind. Das Netzwerk zielt darauf ab, Voraussetzungen für sichere Infrastrukturen und KI-Anwendungen bei der Verarbeitung medizinischer Datensätze zu erarbeiten, auch wenn es nicht im engeren Sinne dem Themenbereich Biotechnologie angehört. Das Großforschungszentrum Center for the Transformation of Chemistry (CTC) arbeitet an der nachhaltigen Herstellung von Materialien und verfolgt die Vision eines KI-gestützten Pharmazielabors.
Bildquelle: Pixabay