Manchmal braucht es keinen Festplatz, keine große Bühne und keinen Fahrplan für den Abend, damit ein Ort zusammenkommt. In Zschortau reichten am Sonnabend ein Innenhof, ein paar Tische und Stühle, eine Feuertonne gegen die herbstliche Kühle – und Menschen, die ihre Nachbarschaft nicht bloß im Vorbeigehen sehen wollten.
Beim Erntedankfest im Hof der Lindenstraße 26 trafen sich am 31. Oktober Besucherinnen und Besucher zu Kreativangeboten und kleinen Kostproben. Kartoffelstempel, Räucherstäbchen, Kürbisbrot, Gewürzkaffee und Apfelsaft mit Gewürzen standen auf dem Programm. Die Bürgerinitiative aus Zschortau hatte zu dem kostenlosen Nachmittag eingeladen.
Eine Privatinitiative für das Dorf
Hinter dem Fest steht eine kleine Gruppe, die nach den Worten von Organisatorin Sylvie das Dorfleben und die Infrastruktur beleben möchte. Die Beteiligten haben im Hof der Lindenstraße 26 bereits mehrfach gemeinsame Aktionen organisiert und wollen dies auch künftig tun – damit Kinder und Familien im Ort zusammenkommen können, ohne dafür erst wegfahren zu müssen.
Der Hof ist dabei mehr als bloße Kulisse. Seine geschützte Lage und die Möglichkeit, Bereiche zu überdachen, machten ihn für den Nachmittag passend. Tische und Stühle boten Platz zum Verweilen; die Feuertonne sorgte dafür, dass die herbstliche Luft ihren eigenen Platz im Ablauf bekam, aber nicht das letzte Wort behielt.
Wärme aus der Feuertonne
Während im Hof probiert, gebastelt und miteinander gesprochen wurde, blieb die Einladung bewusst offen. Über den Tag verteilt kamen nach Angaben der Organisatorinnen etwa 100 Menschen vorbei. Für sie stand nicht allein diese Zahl im Vordergrund, sondern die Freude darüber, dass in Zschortau etwas vor der eigenen Haustür stattfindet.
Ein Ort für Kräuter und Workshops
Sylvie betreibt in der Lindenstraße 26 außerdem eine kleine Praxis für Ayurveda und heimische Kräuter. Dort beschäftigt sie sich nach eigenen Angaben damit, wie sich Pflanzen im Alltag einsetzen lassen, und bietet Workshops an – etwa zur Herstellung von Salben und Naturkosmetik. Das Erntedankfest knüpfte daran an: Nicht mit einem großen Programmversprechen, sondern mit Dingen zum Ausprobieren und einem Hof, der für ein paar Stunden zum Treffpunkt wurde.
So endete der Oktobernachmittag nicht im Veranstaltungskalender, sondern dort, wo er begonnen hatte: zwischen alten Backsteinwänden, Gesprächen und dem Gedanken, dass ein Dorf auch dann lebendig sein kann, wenn seine Bewohnerinnen und Bewohner einfach selbst anfangen.
