Liebespfad in Delitzsch: Wenn die Stadt auf Wolke sieben plant

Manche Städte werben mit Pflastersteinen, andere mit Parkplätzen. Delitzsch möchte es nun mit der Liebe versuchen – und zwar nicht bloß mit einer Rose auf dem Rathausflur, sondern mit einem Weg vom Barockschloss bis in die Altstadt. Unter dem Titel „Verliebt in Delitzsch: Herzliche Heimat – Himmlische Hochzeit“ hat die Stadt ein Konzept für den sächsischen Innenstadtwettbewerb „Ab in die Mitte!“ eingereicht. Noch ist das Ganze ein Plan auf Papier, aber einer, der bemerkenswert viel Herz, Ring und QR-Codes verspricht.

Wo das Schloss schon einmal den Anfang macht

Ausgangspunkt soll das Barockschloss sein, das in Delitzsch bekanntlich nicht erst seit gestern als Trauort taugt. Von dort aus soll sich ein Liebespfad durch Barockgarten, Stadtpark, Rosengarten und am Wallgraben entlang bis in die Altstadt ziehen. Wirtschaftsförderer Alexander Lorenz hat den Antrag für die Stadtverwaltung erarbeitet. Die Idee: Bekannte Ecken nicht neu erfinden, sondern sie mit einem anderen Blick begehbar machen – diesmal mit Romantik im Gepäck.

An den Stationen sind „sprechende Bäume“, QR-Codes mit Liebesgedichten, Musik und persönlichen Geschichten vorgesehen. Dazu kommen Fotomotive aus Herz- und Ringelementen, eine Schaukel für Paare und kreativ bepflanzte Schubkarren in den Altstadtgassen. Wer bisher dachte, eine Schubkarre habe vor allem Erde, Laub oder den jährlichen Kampf gegen den Kompost zu transportieren, darf sich also auf einen Perspektivwechsel einstellen.

Eine digitale Erlebnisroute soll Besucherinnen und Besucher gezielt durch die Innenstadt führen. Das passt zum diesjährigen Wettbewerbsmotto „Cooler Kern statt grauen Steines“: Grün, Emotion, Digitalisierung und neue Nutzungsideen sollen den Stadtkern beleben. Ob die Liebe dabei zuverlässig den richtigen Weg findet, muss die Navigation später beweisen.

Nicht nur für das Brautpaar

Der Pfad ist als dauerhaftes Angebot gedacht. Ergänzt werden soll er durch ein öffentliches Hochzeitsfestival mit Musik, inszenierten Trauzeremonien, Modenschauen, Fotoshootings und regionalen Angeboten rund ums Heiraten. Unter dem Namen „Heiraten in Delitzsch“ soll ein Netzwerk entstehen, in dem Handel, Gastronomie, Hotellerie, Kultur und Hochzeitsdienstleister zusammenarbeiten.

Auch Menschen aus Delitzsch, Hochzeitspaare und Ehejubilare sollen eigene Erinnerungen und Beiträge beisteuern können. Das Konzept zielt damit nicht allein auf frisch Verliebte mit Terminkalender, sondern ebenso auf Geschichten aus vielen gemeinsamen Jahren. Einen konkreten Termin für das Festival nennt die Stadt allerdings noch nicht.

Die Jury entscheidet im November

Der Wettbewerb „Ab in die Mitte!“ verzeichnet in diesem Jahr 77 eingereichte Projekte aus 63 sächsischen Kommunen. Am Freitag, 6. November 2026, werden die Preise auf der Leipziger Messe im Rahmen der Messe „denkmal“ vergeben. Erst dann zeigt sich, ob Delitzsch für seine Liebeserklärung an die Innenstadt ausgezeichnet wird.

Bis dahin bleibt der Liebespfad eine Idee mit offenem Ausgang: Einen verbindlichen Umsetzungszeitplan und Angaben zur Finanzierung nennt die vorliegende städtische Ankündigung nicht. Aber wenn schon ein Weg durch Schlossgarten, Wallgraben und Altstadt zur großen Liebe führen soll, darf er sich vermutlich auch ein wenig Zeit lassen.