Manchmal braucht es kein soziales Netzwerk, sondern ein Stück Holz mit Griffen. In Döbernitz machte sich am 11. Mai 2005 die erste „Dorfkeule“ auf den Weg: eine bedruckte Rolle, die von Haus zu Haus wanderte und ihre Nachrichten nicht per Klick, sondern persönlich weitergab.
Eine Idee für mehr Miteinander
Ausgangspunkt war eine Beobachtung von Norbert Lienig. Nachbarn, so die Erinnerung aus dem Kreis der Beteiligten, sollten wieder öfter miteinander reden und einander helfen. Lienig brachte deshalb die Idee einer Dorfkeule ins Gespräch – einer Art handlicher Dorfzeitung, die reihum gereicht wurde und Informationen über das Dorf sowie den damals entstehenden Heimatverein transportierte.
Sechs Familien machten den Anfang: Frisch, Lienig, Schelinski, Schimmer, Gottelt und Lehmann. Sie gehörten zu dem Kreis, der den Döbernitzer Heimatverein gründete. Die Druckerei Schimmer übernahm die Produktion der Keulen und ihrer gedruckten Inhalte.
Von Haus zu Haus
Die Regeln waren einfach: Wer die Dorfkeule gelesen hatte, zeichnete ab und gab sie dem nächsten Nachbarn persönlich weiter. So wurde aus einem Mitteilungsblatt zugleich ein Anlass, an der Haustür stehen zu bleiben, Neuigkeiten auszutauschen und zu erfahren, was im Ort geplant war.
Ganz lückenlos funktionierte das System nicht immer. Einige Keulen verschwanden im Umlauf und mussten ersetzt werden; auch die Herstellung war aufwendig. Gerade darin steckt aber der Charme dieser kleinen Dorfchronik: Nachrichten hatten einen Weg, und dieser Weg führte unweigerlich über Menschen.
Aus der Keule wurde eine Zeitung
2009 zog der Heimatverein die praktische Konsequenz und stellte auf eine Dorfzeitung um, die in die Briefkästen verteilt wurde. Damit endete der Rundlauf der hölzernen Informationsträger – nicht jedoch die Idee dahinter. Aus der ersten Aktion entwickelte sich eine regelmäßige Form, das Dorf auf dem Laufenden zu halten.
Die Dorfkeule blieb damit ein gelungenes Stück Döbernitzer Erfindungsgeist: Sie sollte Nachbarn wieder ins Gespräch bringen, und aus ihr wurde am Ende eine Zeitung für viele. Nicht jede Keule kam verlässlich zurück. Was aber zurück nach Döbernitz kam, war ein Stück Gemeinschaftsleben, welches sich durch den Heimatverein auch ohne Dorfkeule weiter erhaltenk konnte.



