Mittwoch, Punkt zwölf: In der Stadtkirche St. Peter und Paul begann am 26. August 2026 keine Abendveranstaltung, sondern die letzte diesjährige Ausgabe der sommerlichen Reihe OrgelPunkt12. Rund 120 Zuhörerinnen und Zuhörer kamen zu dem halbstündigen Mittagskonzert. Kantor Jörg Topfstedt hatte das Programm zusammengestellt und spielte es selbst an der historischen Rühlmann-Orgel.
Bach aus Leipzig zum Auftakt
Topfstedt eröffnete mit Johann Sebastian Bachs Präludium und Fuge C-Dur, BWV 547, einem Werk aus Bachs später Leipziger Zeit. Im Präludium genügen Tonleiter und Dreiklang als musikalisches Ausgangsmaterial; der wiegende Neunachteltakt gab dem Stück den scherzhaften Beinamen „Diakonissenwalzer“.
Mit dem Werk verbindet der Kantor eine frühe Erinnerung. Als er es erstmals bei seinem Orgellehrer hörte, sollte er die Noten umblättern. „Und da war ich so aufgeregt, dass ich vergessen habe zu blättern“, erzählte Topfstedt vor dem Konzert. Bis heute müsse er bei dem beschwingten Takt an tanzende Nonnen denken.
Auf das helle Präludium folgte eine von Topfstedt als besonders dicht beschriebene Fuge. Genau diesen Wechsel hatte er für den Beginn des Programms gewählt: erst ein scheinbar einfach gebautes Stück, dann kontrapunktische Konzentration.
Théodore Dubois zwischen zwei Bach-Werken
In die Mitte des Programms setzte Topfstedt zwei Stücke des französischen Romantikers Théodore Dubois: ein Prélude in F-Dur und eine Cantilène. Gerade Dubois werde neben den bekannteren französischen Orgelkomponisten oft übergangen, sagte der Kantor. In der Cantilène trat eine Solostimme über der Begleitung hervor.
Zum Abschluss wechselte Topfstedt vom späten zum jungen Bach. Präludium und Fuge a-Moll, BWV 543, stammen aus dessen Weimarer Jahren. Das Präludium wirkt stellenweise wie eine Toccata; Topfstedt beschrieb den Gestus sinngemäß als selbstbewusste Ansage des jungen Organisten: Jetzt sitze ich an der Orgel und zeige, wie das funktioniert.
Niklas Müller hilft an den Registern
Am Spieltisch unterstützte Niklas Müller den Kantor beim Ziehen der Register. Müller studiert im dritten Semester Musikwissenschaft an der Universität Leipzig und ist seit fünf Jahren Orgelschüler. Seine Aufgabe lag an diesem Mittag in der Registrierung.
Kantor, Organisator und Lehrer
Topfstedt prägt die Kirchenmusik in Delitzsch seit Jahren. Das Evangelische Schulzentrum Delitzsch führt ihn als Diplom-Kirchenmusiker, seit 2012 als Kirchenmusiker der Evangelischen Kirchengemeinde Delitzsch und seit 2013 als Kreiskirchenmusiker für den Kirchenkreis Torgau-Delitzsch. Außerdem ist er Vorsitzender des Schulträgervereins und unterrichtet am Schulzentrum Musik. Bei OrgelPunkt12 war er an diesem Mittwoch Organisator und Interpret zugleich.
Benefizkonzert für das Lugala-Hospital
Zum Ende seiner Einführung verwies Topfstedt auf den nächsten Orgeltermin in der Stadtkirche: Am Sonntag, 6. September 2026, spielt der Leipziger Nikolaikantor Markus Kaufmann um 17 Uhr ein Benefizkonzert mit Wagner-Transkriptionen. Termin und Ort finden Sie hier.
Die Spenden gehen an den Lugala-Freundeskreis und damit an das lutherische Lugala-Hospital in Tansania. Topfstedt liegt die Unterstützung nach eigenen Worten am Herzen: Jeder Euro werde für die Arbeit des Krankenhauses gebraucht.






