Drei leuchtend blaue Spaten stecken vor einem Erdhügel, dahinter warten Schülerinnen und Schüler, Lehrkräfte, Ehemalige, Eltern, Planer und Gäste aus der Politik. Nur wenige Meter weiter ist der Schulhof mit Wimpelketten geschmückt, an den Ständen wird gebastelt, gespielt und erzählt. Selten lagen Rückblick und Zukunft an der Artur-Becker-Oberschule so dicht beieinander wie an diesem Samstag.
Die Delitzscher Oberschule hat am 5. September 2026 ihr 50-jähriges Bestehen gefeiert. Der Festtag war zugleich der Rahmen für den offiziellen Spatenstich der neuen Dreifeldsporthalle. Damit wurde aus dem Jubiläum weit mehr als eine Geburtstagsfeier: Die Schulgemeinschaft zeigte, was sie heute ausmacht – und die Stadt, was am Standort in den kommenden Jahren entstehen soll.
Ein Festtag, den die Schule selbst gestaltet hat
Seit 1976 gehört die Artur-Becker-Oberschule zum Delitzscher Osten. Rund 500 Schülerinnen und Schüler lernen inzwischen in dem Plattenbau an der Oststraße. Von außen erzählt das Gebäude noch sehr deutlich von seiner Entstehungszeit. Auf dem Schulhof war an diesem Samstag allerdings nichts von Stillstand zu sehen.
Klassen und Arbeitsgemeinschaften hatten Stände vorbereitet, im Gebäude gab es Einblicke in den Schulalltag, und auf der Bühne wechselten Tanz, Theater, Musik und Gespräche. Schulleiter Andy Bernhardt eröffnete das Fest um 10 Uhr. Das offizielle Bühnenprogramm führte anschließend von der Tanzgruppe und einer Theateraufführung über einen Appell bis zu einem Interview mit einer ehemaligen Schülerin. Am Nachmittag standen die Präsentation des eigens entwickelten ABOS-Liedes und die Vorstellung des neuen Schulmaskottchens auf dem Plan. Über die von Schülerinnen und Schülern entworfenen Maskottchen-Vorschläge war zuvor abgestimmt worden.
Das passte zu einem Jubiläum, das nicht einfach für die Jugendlichen organisiert, sondern maßgeblich von ihnen mitgestaltet wurde. Auf dem Hof waren selbst entworfene Angebote und Verkaufsstände zu sehen; auch Jubiläums-T-Shirts gehörten dazu. Eine große Hüpfburg ergänzte das Festprogramm und war besonders bei den jüngeren Gästen gefragt.
Bernhardt dankte den Beteiligten noch auf dem Baufeld. „Ich bin stolz auf meine Schüler, ich bin stolz auf meine Kollegen“, sagte der Schulleiter. Zugleich lud er die politischen Gäste ein, mit der Schülerschaft ins Gespräch zu kommen. Hinter den Kulissen war der Aufwand beträchtlich: Ein Fest für mehrere hundert junge Menschen, ihre Familien, Ehemalige und Besucher entsteht schließlich nicht mit einer Wimpelkette allein.
DRK, Jugendrotkreuz und Feuerwehr zum Ausprobieren
Mehrere Partner aus Delitzsch und Umgebung machten den Schulhof zu einem kleinen Praxisparcours. Besonders umfangreich präsentierte sich der DRK-Kreisverband Delitzsch. Zwischen Krankentransportwagen, Technik und Tragen konnten Besucher erleben, was bei einem medizinischen Notfall zählt. Bei einer Reanimationsvorführung des Jugendrotkreuzes wurde an einer Übungspuppe gezeigt, wie Wiederbelebung funktioniert. Daneben gab es Einblicke in Rettungsdienst und Pflege, ein Wissensquiz sowie ein Glücksrad.
Die Reanimationsvorführung knüpfte an ein bereits bestehendes Projekt an – sie begann nicht erst am Jubiläumstag. Nach einem Bericht des DRK-Kreisverbands übten Schülerinnen und Schüler der Klassenstufen 7 bis 9 bereits in der letzten Schulwoche vor den Sommerferien 2026 Wiederbelebung und den Umgang mit einem Trainingsdefibrillator. Die beteiligten Lehrkräfte waren demnach im Vorjahr fortgebildet worden. Als nächster Schritt ist der Aufbau eines Schulsanitätsdienstes geplant.
Auch die Feuerwehr Benndorf war vertreten. Ein kleiner Wasserparcours brachte Bewegung auf das Außengelände: Der Wasserstrahl zog quer über die markierten Ziele, und aus sicherer Entfernung sah das deutlich leichter aus, als es beim eigenen Versuch war. Die Jugendfeuerwehr Benndorf bietet Kindern ab acht Jahren regelmäßig Ausbildung unter anderem zu Brandbekämpfung, Fahrzeugtechnik und Erster Hilfe an. Beim Jubiläum wurde daraus ein niedrigschwelliger Einblick in ehrenamtliche Arbeit.
Der Förderverein der Artur-Becker-Schule nutzte das Fest ebenfalls, um um neue Mitglieder und Unterstützung zu werben. Seit 2006 begleitet der Verein Projekte der Schule. Wie wichtig solche Hilfe sein kann, zeigt der Blick in das Gebäude: Viele Verbesserungen im Schulalltag sind in den vergangenen Jahren durch Spenden, Eigeninitiative und gemeinsames Anpacken möglich geworden.
Drei Spaten für den ersten großen Bauabschnitt
Der formelle Höhepunkt begann gegen 10.15 Uhr auf dem bereits freigemachten Baufeld. Oberbürgermeister Dr. Manfred Wilde, Bürgermeisterin Patricia Groth, Architekt Ralph Hengst und Schulleiter Andy Bernhardt setzten mit drei blauen Spaten den symbolischen ersten Stich. Hengst erläuterte die Planung. Vorbereitet war auf dem Gelände da längst einiges: Der frühere Garagenkomplex ist abgebrochen, Bäume wurden gefällt, Leitungen verlegt und der Boden auf Kampfmittel sowie archäologische Spuren untersucht.
Wilde verband den Geburtstag der Schule mit einem Kompliment an die Menschen, die in ihr arbeiten und lernen. Entscheidend sei nicht allein, dass der Baukörper nach 50 Jahren noch stehe. „Viel wichtiger ist der Geist der Schule“, sagte der Oberbürgermeister. Die ABOS sei ein zentraler Teil der Delitzscher Bildungslandschaft und zugleich Anlaufpunkt für Jugendliche aus dem ländlichen Umland.
Zu den Gästen gehörten die CDU-Bundestagsabgeordnete und Parlamentarische Staatssekretärin für Gesundheit Dr. Christiane Schenderlein sowie die sächsische Landtagsabgeordnete Tina Trompter. Schenderlein hatte bis wenige Tage zuvor das Amt der Staatsministerin für Sport und Ehrenamt im Bundeskanzleramt inne. Auch Mitglieder verschiedener Stadtratsfraktionen nahmen teil. Wilde erinnerte daran, dass deren Beschlüsse zu Haushalt und Vergaben eine Voraussetzung für das Vorhaben waren.
Die größte städtische Sporthalle in Delitzsch
Die neue Dreifeldhalle soll nach den beim Spatenstich vorgestellten Plänen die größte Sporthalle in Trägerschaft der Stadt werden. Vorgesehen sind rund 1.220 Quadratmeter Spielfläche und eine Tribüne mit etwa 400 Sitzplätzen. Die Halle soll dem Schulsport dienen, zugleich aber auch für den Vereinssport und Wettkämpfe nutzbar sein. Für Volleyball und Handball wird sie bis zu Bundesliga-Anforderungen ausgelegt. Weil das Gebäude als Versammlungsstätte geplant wird, kann es später außerdem für größere städtische Veranstaltungen genutzt werden.
Der nahezu quadratische Bau soll etwa 46 Meter breit, 51 Meter lang und elf Meter hoch werden. Um seine Wirkung im Wohngebiet zu reduzieren, wird die Halle ungefähr zwei Meter in das Gelände abgesenkt. Acht große Brettschichtholzbinder mit jeweils rund 32 Metern Spannweite sollen das Dach tragen. Unten ist ein robuster Klinkersockel vorgesehen, darüber eine leichtere Lamellenfassade. An der Außenseite ist eine Boulderwand geplant.
Zum Raumprogramm gehören Sanitär- und Technikbereiche, Umkleiden sowie eine Küche für Ganztagsangebote und Veranstaltungen. Alle Ebenen sollen per Aufzug barrierefrei erreichbar sein. Wärme soll zunächst über Luftwärmepumpen bereitgestellt werden; eine spätere Anbindung an ein mögliches Fernwärmenetz im Delitzscher Osten ist technisch vorbereitet. Auf dem Dach ist eine Photovoltaikanlage vorgesehen. Automatische Lüftung und Temperierung sollen den Betrieb unterstützen.
Auch die Außenanlagen werden neu geordnet. Geplant sind eine 100-Meter-Laufbahn, Weitsprung- und Kugelstoßanlage sowie eine Gymnastikwiese. Insgesamt bezifferte Wilde das Paket aus Halle, Außenanlagen, Abbrucharbeiten und Neugestaltung auf rund 16 Millionen Euro. Die Baugenehmigung wurde nach Angaben der Stadt am 4. Juni 2026 erteilt. Für die eigentliche Bauzeit rechnet die Stadt mit knapp zwei Jahren.
Warum zunächst die Sporthalle ersetzt wird
Schulgebäude und bisherige Turnhalle stammen beide aus den 1970er Jahren. Die Stadt bezeichnet die ABOS als ihre letzte unsanierte Schule. Auch die Sporthalle ist in die Jahre gekommen: Technische Leitungen liegen teilweise im Mauerwerk, Feuchtigkeit hat Schäden verursacht, und für heutige Wettkampfanforderungen ist sie nicht mehr geeignet. Eine Machbarkeitsstudie kam zu dem Ergebnis, dass eine grundlegende Ertüchtigung nicht sinnvoll wäre.
Über den Standort und die Zukunft des Schulgeländes wird seit 2019 beraten. Die neue Halle ist nun der erste Baustein eines größeren Campuskonzepts. Architekt Ralph Hengst beschrieb beim Spatenstich fünf mögliche Abschnitte: Zunächst entsteht die neue Sporthalle, danach kann die alte Halle weichen. Es sollen ein neues Schulgebäude, der Rückbau des heutigen Schulhauses und schließlich die Fertigstellung der Freianlagen folgen.
Gesichert begonnen hat zunächst die Sporthalle. Für den Schulneubau selbst bleibt die Finanzierung die entscheidende offene Frage. Die Stadt hatte für einen vollständigen Ersatzneubau von Schule, Halle und Außenanlagen bereits deutlich höhere Gesamtkosten ermittelt. Wilde formulierte den Weg deshalb nüchtern: Schritt für Schritt solle es weitergehen.
Ein Geburtstag mit Blick nach vorn
Das Jubiläum machte sichtbar, warum sich dieser Aufwand lohnt. Die Artur-Becker-Oberschule ist längst mehr als ihr unsanierter Baukörper. Sie ist Lernort, Treffpunkt und für viele ehemalige Schülerinnen und Schüler ein Stück Biografie. Unter den alten Bäumen des Schulhofs kamen Generationen miteinander ins Gespräch, während auf dem Nachbargrundstück schon Baumaschinen und Bauzäune die nächste Etappe ankündigten.
Am Ende dieses 50. Geburtstags blieb deshalb ein doppeltes Bild: Auf dem Hof standen die silbernen Zahlen „1976“, auf dem Baufeld die drei blauen Spaten. Dazwischen lag die Gegenwart der ABOS – lebendig, manchmal laut, von vielen Händen getragen und ziemlich entschlossen, nicht nur zurückzuschauen.
Weitere Bilder vom Schuljubiläum
Mit Ständen, Bühnenprogramm und Mitmachangeboten feierte die Artur-Becker-Oberschule am 5. September 2026 ihren 50. Geburtstag.
Die silberne Jahreszahl auf dem Schulhof erinnerte an die Eröffnung der Artur-Becker-Oberschule im Jahr 1976.
Der 50. Schulgeburtstag bildete den Rahmen für den offiziellen Spatenstich der neuen Dreifeldsporthalle.
Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Stadtrat und Planung kamen zum Spatenstich auf dem Schulgelände zusammen.
Bei der Reanimationsvorführung konnten Besucher Wiederbelebung und medizinische Ausrüstung aus der Nähe kennenlernen.
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