Die Kirchenglocken waren gerade verklungen, als am Freitagabend in der Bibliothek Alte Lateinschule die ersten Töne zu hören waren. Unter dem Titel „Musik trifft Note“ lud die Musikschule „Heinrich Schütz“ Nordsachsen – Außenstelle Delitzsch zum Herbstkonzert ein. Gegen 19.05 Uhr ging es los. Rund 60 Besucherinnen und Besucher hatten zwischen den Bücherregalen Platz genommen und füllten den Raum fast vollständig.
Ein Abend mit zwei Sprachen
Katja Mickley führte durch das Programm und machte aus den Übergängen mehr als bloße Ansagen. Immer wieder öffnete sie mit Gedichten, Fabeln, Bauernregeln und kleinen literarischen Fundstücken ein Fenster zum Herbst, bevor die Musik den Gedanken aufnahm. Vivaldis „Herbst“ bildete dabei den Auftakt – und kehrte zum Abschluss noch einmal wieder.
Die Musikschule „Heinrich Schütz“ Nordsachsen – Außenstelle Delitzsch stellte für den Abend ein vielseitiges Programm auf die Beine. Zu hören waren Beiträge auf Klavier, Gitarre, Violine, Blockflöte und Trompete – gespielt von Jara Smykalla, Helena Schütze, Alexandra Chatzidi, Anna Zeidler, Sylke Pretschner, Lena Meißner, Ida Weißenberg, Pauline Diebel, Elina Derevianchuk, Ludwig Brockmann, Sophia Chatzidi, Emma Marx, Jonas Feige, Stella Schumann, Adelia Wolfram, Tessa Künzel, Belana Schwabe, Arnulf Jäger, Frieda Habermann und Julia Romanus. Das Programm bewegte sich dabei von klassischer Musik über Volksliedhaftes bis zu zeitgenössischen Stücken. Die unterschiedlichen Instrumente und Besetzungen sorgten dafür, dass der Abend nie in gleichförmige Herbstmelancholie geriet – der Herbst kann schließlich auch leuchten, blasen und gelegentlich recht munter durch die Noten rascheln.
Literatur als roter Faden
Die Texte spannten den Bogen von Eva Strittmatter und Rainer Maria Rilke über Mascha Kaléko, Eduard Mörike und Wilhelm Busch bis zu Fabeln von Hirsch, Jäger, Sonne und Wind. Mal ging es um die letzten Blüten des Sommers, mal um den Wechsel von Wärme und Kälte, mal um den Wind, der sich als hilfreicher erweist, als man ihm zunächst zutraut. Mickley setzte diese Motive nicht belehrend, sondern als kleine Wegmarken zwischen die Musik.
So passte die Bibliothek als Ort besonders gut: Hier standen Worte nicht nur auf Papier, sondern wurden hörbar – und die Musik antwortete darauf unmittelbar. Zum Schluss schloss sich der Kreis mit dem Allegro aus Vivaldis „Herbst“ auf der Trompete. Danach blieb noch ein praktischer Hinweis für alle, die mit offenen Augen durch das Treppenhaus gingen: Von der Pflanzentauschbörse warteten dort noch übrig gebliebene Pflanzen auf ein neues Zuhause.
Die Mischung aus jungen musikalischen Beiträgen, bekannten Texten und dem eng besetzten Zuhörerraum machte den Abend zu einer konzentrierten Begegnung von Musik und Literatur – ganz ohne große Bühne, aber mit ausreichend Resonanz zwischen den Bücherregalen.

















